Diese Themen nehmen wir für dich unter die Lupe:
Fachliche Prüfung: Was verstehen wir darunter?
Als fachliche Prüfung bezeichnen wir einen Schritt im Übersetzungsprozess, bei dem Fachkundige bei dir die angefertigten Übersetzungen noch einmal überprüfen. Das können zum Beispiel Mitarbeitende aus dem Sales-, Technik- oder Marketingbereich sein sowie externe Copywriter:innen oder Partnerunternehmen, die deine Produkte vertreiben. Die In-Country-Review findet dabei direkt im Anschluss an die Übersetzung statt und erfolgt damit noch vor der finalen Lieferung an dich:

Die fachlich Prüfenden sind oft Mitarbeitende deiner Niederlassungen in den Zielländern. Neben ihrer Muttersprache bringen sie umfangreiches Wissen über die Regionen mit, in denen du deine übersetzten Texte einsetzen möchtest. Sie kennen deine Produkte und deine Firmenterminologie und wissen, wie sie dein Zielpublikum am besten erreichen.
Deine Expert:innen sind zwar meist keine Linguist:innen, liefern durch ihre Fachkenntnis aber wichtigen Input für die Übersetzungen. Nehmen sie Änderungen an den Texten vor, schicken wir diese zur finalen Gegenprüfung (Cross Check) an die Übersetzenden zurück. Diese stellen sicher, dass die Änderungen der vorgegebenen Terminologie entsprechen und keine Rechtschreib-, Grammatik- oder Zeichensetzungsfehler enthalten. Die finale Version erhalten wir anschließend von den Übersetzenden und liefern sie dir.
Wie läuft die In-Country-Review konkret ab?
Die fachliche Prüfung kann im Übersetzungsprozess auf unterschiedliche Arten stattfinden. Bei Greatcontent setzen wir häufig Globalreview ein, eine webbasierte Software, die unsere Mutterfirma Kaleidoscope entwickelt hat. Wir laden die fertigen Übersetzungen direkt aus der Übersetzungssoftware auf die Plattform hoch, verbinden sie mit der Termbank und weisen sie deinen Prüfenden zu. Diese arbeiten ihre Korrekturen direkt online ein, ordnen die Änderungen Kategorien zu, hinterlassen Kommentare und bewerten abschließend die Übersetzungsqualität. Der Vorteil: Wir können die Änderungen schnell und unkompliziert ins Translation Memory übernehmen.

Alternativ können deine Prüfenden die In-Country-Review auch ohne eine zusätzliche Software abwickeln. Dazu bietet sich beispielsweise eine bilinguale Review-Datei im Word-Format an, die sich aus einer Übersetzungssoftware exportieren lässt. Die Reviewenden können die Anpassungen dann mit “Änderungen nachverfolgen” in der zielsprachlichen Spalte vornehmen. Der Workflow gestaltet sich jedoch etwas komplizierter als in einer webbasierten Software. Denn wenn deine Prüfenden mit den Anweisungen nicht vertraut sind, kann es zu Problemen beim Rückimport sowie zu Zeitverzögerungen und extra Kosten für dich kommen. Hier müssen sie sich also besonders an die spezifischen Vorgaben halten, damit wir die Änderungen anschließend auch in die Übersetzung und dein Translation Memory einspielen können.
Grundsätzlich ist die fachliche Prüfung auch mit Kommentaren direkt in der Zieldatei möglich, z.B. im PDF-Format. Die Prüfenden hinterlassen aber Kommentare unterschiedlicher Natur, die nicht immer an die Übersetzenden gerichtet sind. Manchmal betreffen die Änderungen auch das Layout der Datei und müssen im Nachgang von der Grafikabteilung im Feinlayout manuell eingearbeitet werden. Die Personen, die am Projekt beteiligt sind, können sich also einerseits schwer einen Überblick über die Kommentare verschaffen, andererseits benötigen sie je nach Anzahl an Änderungen entsprechend Zeit, um alle Korrekturen manuell in den Übersetzungen einzuarbeiten, was durchaus auch Fehler nach sich ziehen kann.
Weiters erschwert diese Vorgehensweise auch das Einspielen der finalen Kommentare in dein Translation Memory, da alle freigegebenen Änderungen erneut manuell in das System übertragen werden müssen und die Übertragung wiederum fehleranfällig sein kann. Aus den genannten Gründen raten wir dir daher von dem Workflow, direkt in der Zieldatei zu arbeiten, eher ab, da dieser neben der Fehleranfälligkeit und manuellen Arbeit auch mit höheren Kosten und einem Zeitverlust verbunden ist.
Was sind die Vorteile und Herausforderungen der fachlichen Prüfung?
Vorteile
- Die Prüfenden verfügen über Fachwissen, Firmen- sowie Produktterminologie und sind Muttersprachler:innen
- Sie wissen, was die Zielgruppe anspricht und welche Formulierungen im Zielland gut funktionieren
- Sie unterstützen bei der Pflege der Fachterminologie (neue Begriffe, Feedback usw.)
- Effizienzsteigerung:
Sie müssen die Texte nicht neu übersetzen, sondern es fehlt nur mehr der letzte Feinschliff - Gute Synergie zwischen den Prüfenden und Übersetzenden > Vertrauen baut sich auf und Übersetzende können aus den Review-Änderungen für zukünftige Übersetzungen lernen
- Qualitätssteigerung der Übersetzung dank Review und Cross Check
- Aufteilung der Review-Aufgaben unter Kolleg:innen je nach Verfügbarkeit, falls weitere Prüfende nominiert werden
- Bei Verwendung einer Software:
- Direkter Zugriff auf Ausgangstext und Termbank während des Reviews
- Schnelle und leichte Einspielung der Änderungen ins Translation Memory
Nachteile
- Sie sind keine Linguist:innen
- Ihre Rolle als Reviewende ist oft nicht klar, mitunter fehlen konkrete Vorgaben
- Oft wird nach „Laune“ korrigiert. Die Texte werden teilweise stark umgeschrieben
- Es werden neue Teile hinzugefügt bzw. wichtige Informationen werden gelöscht
- Es herrscht keine terminologische Konsistenz
- Enge Deadlines, die nicht eingehalten werden können
- Das Review ist eine Nebentätigkeit
- Initiale Zeitinvestition, um die Verbindung aufzubauen, u.a. durch Softwareeinschulungen, Meetings mit Übersetzenden usw.
- Es können Mehrkosten und Zeitverzögerungen entstehen
- Mangelnde Zeit führt zum Überfliegen der Texte und somit zu keiner ausreichenden Qualitätskontrolle
- Die Korrekturen können sehr subjektiv sein und je nach Profilbild variieren
- Die Übersetzung wird ohne Bilder (im Rohlayout) und nicht immer im Layout angezeigt
Fachliche Prüfung und Übersetzungsqualität: Wie die In-Country-Review zur Optimierung der Qualität beiträgt
Damit wir mit der fachlichen Prüfung die beabsichtigte Qualitätssteigerung erreichen können, gibt es einige entscheidende Faktoren zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Einblick die Reviewenden in ihre Rolle und Aufgaben bekommen, desto effizienter kannst du die In-Country-Review abwickeln. Darüber hinaus kann auch ein definierter Review-Workflow dazu beitragen, die Qualität der Übersetzungen zu erhöhen.
Das Hauptaugenmerk der Prüfenden sollte bei der Review darauf liegen, die Übersetzung auf die firmenspezifische Terminologie sowie fachsprachliche und technische Richtigkeit zu prüfen. Ihre Aufgabe ist es nicht, den Stil oder Inhalt des Textes zu verändern (= Copywriting) und die Texte neu bzw. umzuschreiben. Denn das würde zusätzliche Kosten und längere Korrekturschleifen verursachen.
Sollten die Reviewenden auch inhaltliche Änderungen vornehmen wollen, dann ist zuerst eine Absprache mit der Zentrale notwendig. Denn die Übersetzenden erstellen ihre Übersetzungen immer auf Basis des Ausgangstexts und können keine Informationen hinzufügen oder löschen. Passen Ausgangs- und Zieltext nicht mehr zusammen, gelangen folglich auch unsaubere Segmente in das Translation Memory, die die Übersetzenden dann nicht mehr für zukünftige Projekte verwenden können.
Die Prüfenden nehmen die Änderungen an den Texten immer unter Berücksichtigung des Zielpublikums und der existierenden Terminologie vor. Deswegen achten wir auch darauf, dass alle vorhandenen Referenz-Dateien, Screenshots der Bedienpanele, Bilder oder Terminologiereferenzen, wie z.B. Termbanken, zur Verfügung stehen. Das vereinfacht nicht nur das Einhalten der Terminologie, sondern sorgt auch dafür, dass die Übersetzungen terminologisch konsistent zu bereits bestehenden Texten sind. Die Review bezieht sich aber nicht immer nur auf den Zieltext, denn auch Feedback zum Ausgangstext bzw. das Ausweisen etwaiger technischer Ungereimtheiten ist wichtig für die Qualitätssteigerung.
Ein weiterer wichtiger Teil der fachlichen Prüfung ist der Cross Check. Wenn die Fachleute in der Review Änderungen vornehmen, dann schicken wir diese auch noch einmal an die Übersetzenden zur Gegenprüfung zurück. Sie korrigieren dann eventuelle Tippfehler bzw. können auch in Absprache mit den Prüfenden Terme definieren, die für zukünftige Projekte in die Termbank aufgenommen werden sollen.
Worauf sollen die Fachleute bei der fachlichen Prüfung besonders achten?
Zur besseren Übersichtlichkeit haben wir hier noch einmal eine kleine Checkliste zusammengestellt:
• Sind die fachsprachlichen und firmenspezifischen Konventionen eingehalten worden?
• Wurden die Änderungen im gesamten Dokument konsistent vorgenommen?
• Stimmen die Änderungen inhaltlich mit dem Ausgangstext überein?
• Sind die Korrekturen eindeutig und unmissverständlich formuliert?
Um sich mit den Anforderungen noch besser vertraut zu machen, bieten wir auch kurze Einschulungen zum Thema fachliche Prüfung und Globalreview an, in denen wir Ihren Mitarbeitenden die wichtigsten Informationen weitergeben. Damit machen Sie gleichzeitig einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Qualitätssteigerung.





